BLOOD ON THE SADDLE

Nachdem der Punk im Jahr 1975 in New York geboren wurde und im darauffolgenden Jahr in England explodierte, dauerte es noch einige Zeit bis die Trümmer an der Küste Kaliforniens herunterkamen und dort in fruchtbaren Boden einschlugen. So als hätten die gelangwellten Teenager im hochglanzpolierten, gut gelaunt grinsenden Sunshine State lange auf der Lauer gelegen und auf eine Möglichkeit gewartet ihre Frustrationen zu artikulieren, schossen die Punkbands jetzt plötzlich wie Pilze aus dem Boden San Franciscos, LAs und der Vororte. Hardcore wurde die kalifornische Variante des Punk Rock bald getauft.

Eine dieser kurzlebigen Bands nannte sich Dead Hippie und hatte einen Mann namens Greg Davis an der Gitarre, der im Gegensatz zu den meisten seiner Kollegen, sein Instrument virtuos beherrschte. Bald war Greg aber seinerseits gelangweilt von der California Punk Szene und ging nach New Orleans, wo er in diversen traditionellen Cajun und Bluegrass Bands spielte, mit beinahe allen New Orleans Größen auf der Bühne stand und so sein Gitarrespiel weiter perfektionierte.

Im Jahr 1981 taucht Greg wieder in Hollywood auf mit einer neuen Idee im Gepäck. Er wollte das Erdige der traditionellen amerikanischen Pools Music mit dem Biss des Punks verbinden, einer Idee, der er bis heute treu geblieben ist und die zur etwa gleichen Zeit auch eine Band Namens Gun Club hatte, die Punk mit Swamp Blues Elementen vermischte. Bald lernte Greg ein Mädchen namens Anette Zalinskas kennen, die bis dahin bei einer damals noch relativ unbekannten Mädchen-Band namens "The Bangles" mitgespielt hatte. Gemeinsam mit Ron Botelho und Hermann Senac gründeten sie Blood On The Saddle.

Die Band erregte zuerst ungläubiges Staunen. In minimaler Rock & Rollad Besetzung Gesang, Gitarre, Bass und Schlagzeug spielten sie eine gnadenlos nach vom gehende, superschnelle und rohe Country-Punk-Mixtur.
Ihr Name war einem Tex Ritter Song entnommen und auf der Bühne trugen sie zumeist Cowboyhüte.
Die spießig angestaubte Musik, die die Bauern auf dem Weg zum Feld hören, war für die LA Hardcore und New Wave Szene, die glaubten, mit allen Traditionen ihrer Eltern gebrochen zu haben, so ziemlich das unakzeptabelste überhaupt.
Aber die Art wie Blood On The Saddle das Ganze spielten, war haargenau am Puls der Zeit.

1984 erschien das Debüt Album der Band bei New Alliance und erste Touren durch
die USA und Europa wurden angegangen. Das Album wirbelte eine Menge Staub auf und bald gab es unzählige Epigonen, wie Tex & The Horseheads, Jon Wayne oder
Trigger & The Thrillkings, die alle ihre Punk Version vom alten Cowboy Sound im 3/4 Takt spielen wollten.
Oder auch die Vandals, bei denen Greg mehrere Jahre selbst nebenbei mitspielte.
Inzwischen hatte das Kind längst einen Namen bekommen: Cow Punk.
Blood On The Saddle, die Erfinder des Genres, sind heute die einzig uberlebende Cow Punk Band der alten Garde.

Bis dato haben sie allein in Europa über 700 Konzerte bei unzähligen Touren gespielt, 300 davon in Deutschland, das seit jeher als Hochburg der Cow Punk Fans gilt.
Nach einen Zwischenspiel bei SST sind Blood On The Saddle inzwischen auch bei einem deutschen Label gelandet, den Hamburger One Million Dollar Records.
Ein nagelneues Studioalbum ist gerade unter dem Titel >Flesh And Blood<
erschienen, ihre Sechste im Übrigen.
Von der Originalbesetzung ist nur noch Greg Davis dabei, der Mann der schneller spielt als sein Schatten.
Wer glaubt, er wäre alt geworden und würde sich jetzt dem gepflegten
Country Sound widmen, irrt gewaltig.
Noch nie zuvor in der Geschichte der Band wurde ein so rasantes Tempo vorgelegt und noch nie klang Greg's Gitarre so schneidend hart.